Was ist Feng Shui? – Definition, Grundlagen & Geschichte

Feng Shui hatte im Altertum Chinas eine völlig andere Form als die uns heute bekannte. Das heutige Feng Shui entwickelte sich über viele Jahrhunderte. Hier einige Stationen dieser Entwicklungsgeschichte:

Dass der Mensch der Frühzeit sich von Anbeginn seines Daseins den Gegebenheiten der Natur anpassen muss, wird besonders bei der Auswahl seines Wohnortes deutlich. Diesen wählte er nach den ihm günstigsten Gegebenheiten in der unmittelbaren natürlichen Umgebung aus – die Kriterien könnte man als eine Art Vorstufe der Feng Shui Lehre begreifen.

In China gibt es Überreste neolithischer Siedlungen, die aus der Zeit von 6.000 bis 2.000 vor unserer Zeitrechnung (v.u.Z.) stammen. Sie bilden über Wasserläufe, Lage und Ausrichtung ein verflochtenes Bezugssystem der Beziehung zwischen Mensch und Natur, das in erstaunlicher Weise den Kategorien des später entwickelten Feng Shui entspricht.

Bis 221 v.u.Z. (Vor-Qin-Zeit) entstehen frühe Formen eines Feng Shui- Denkens, die Ausbildung der Philosophie von Yin und Yang, die Idee der fünf Wandlungsphasen, des I-Gings, des Chi und weitere fundamentale chinesische Konzepte.
Man geht davon aus, dass es ein frühes Regelwerk des Feng Shui gegeben haben muss. Dieses Buch mit dem Titel “Gon-tsai-di-shin”= “Wie und wo man Paläste und Häuser baut” ist jedoch im Laufe der Geschichte verloren gegangen.

Zwischen 581 und 906 u.Z. (Sui- und Tang-Zeit) kommt es allmählich zur Ausbildung zweier unterschiedlicher Feng Shui-Strömungen, und es finden die Festlegungen von Fachbezeichnungen statt: “Form-Methode-Meister” suchen Baugrundstücke, Weideflächen und existierende Häuser mit positiver Ausstrahlung. Die “Meister der fünf Elemente” oder “Yin-Yang Meister” begreifen den Menschen als verbunden mit dem Kosmos: Sie beraten in Medizin, Ehe, Wind-Wasser, Ernährung und Beruf.

Am Ende der Tang-Dynastie (618-906 u.Z.) gibt es die erste überlieferte Feng Shui-Schule von Meister Yang Yün-Sung, der sein Wissen in direkte Übertragung auf den Schüler weitergibt.

960 bis 1368 u.Z. (Song- und Yuan-Zeit) schafft der Neokonfuzianismus die umfassende Synthese aller traditionellen Theorien, Wissenschaften und Weltbilder. Der Neokonfuzianismus versucht, ein Gesamtbild der Welt, des Kosmos, der Natur und der Erde zu erschaffen, in dem die Objekte systematisch miteinander korrespondieren.

Die Natur wird so zu einem berechenbaren Gegenstand. In dieser Zeit (960-1279) bildet sich neben der “Formen-Kraft-Schule” die zweite große Schule des Feng-Shui heraus, die “Struktur-Chi-Schule”, auch bekannt als “Kompass-Schule”. Sie besagt, dass es neben dem Chi auch eine allumfassende immaterielle Struktur gibt, in der das Chi kondensieren und sichtbar werden kann. Weil in dieser Schule nicht die Form, sondern die Positionierung des Menschen in der Landschaft von Bedeutung ist, wird der “geomantische Kompass” (Lo Pan) das wichtigste Werkzeug dieser geomantischen Schule.

Die “Formen-Schule” und die “Kompass-Schule” erreichen ihre höchste Entwicklung. Alle weiteren Erneuerungen und Entwicklungen im Feng Shui basieren im Prinzip entweder auf ihnen oder sind Kommentierungen dieser beiden Schulen. Besonders die “Kompass-Schule” erreicht eine vorher ungeahnte Komplexität, in dem der geomantische Kompass immer weiter entwickelt wird. Während der Ming-Zeit beinhaltet er schließlich eine maximale Ausdehnung von insgesamt 48 Ringen mit verschiedenen kosmischen und informellen Ordnungen.

Während der Qing-Zeit (1644-1911) erfährt das Feng Shui immer weitere Spezialisierungen und einen zunehmend technischen Charakter, so dass man alsbald auch von der “Wissenschaft der Erdstruktur” spricht. Am Ende der Qing-Zeit wird das Feng Shui ebenso wie auch anderen traditionelle chinesische Wissenschaften abgelehnt, da man sie den Techniken des Westens für unterlegen hält.

Der Tiefpunkt der Entwicklung ist schließlich in den 60er Jahren und besonders zwischen 1966 und 1976 erreicht, als in China die Kulturrevolution alle tradierten Wissenschaften negiert. Neuere chinesische Geschichtsbücher zum Feng Shui aus der Volksrepublik China äußern sich sehr wortkarg über diese Zeit und verweisen für diesen Zeitraum auf die Geschichte des Feng Shui in den westlichen Ländern.

Zu Beginn der 80iger erschienen in der VR China vereinzelt neue Publikationen. Seit 1989 entwickelte sich Feng Shui in China zu einemTrend, der zu einem wahren Bücherboom führt. Jedoch erscheinen die neuen Werke aus der Volksrepublik unter dem Signum einer neuen Wissenschaftlichkeit, weshalb sie mit großer Vorsicht zu betrachten und anzuzweifeln sind, da sie die traditionellen Ansichten unvollständig darstellen.

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Aber: In Taiwan, Hongkong und in den anderen chinesischen Überseekommunen werden die Traditionen des Feng Shui in unverfälschter Form, teilweise mit einem gewissen “Lokalkolorit”, weitergepflegt.

Im Westen erleben wir heute verschiedene Strömungen des Feng Shui. Die einzelnen Linien sind beeinflusst durch den Buddhismus, die Esoterik, die Wohnpsychologie, die Baubiologie und die Geomantie. Hierbei scheint es wichtig, eine kritische Haltung einzunehmen und die Systeme auf ihre Anwendbarkeit im Westen zu überprüfen. Wir meinen, die Chance liegt in einer fundierten und vergleichenden Betrachtung der östlichen und westlichen Geomantie, um aus beidem den größten Nutzen für den Menschen und den ihn umgebenden Raum zu gewinnen.